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Vom Landvermesser zum Geoinformationsingenieur - Gehörten die zurückliegenden Jahrhunderte der geistigen Entwicklung der westlichen Gesellschaft, so sind die zurückliegenden Jahrzehnte geprägt von technischen Fortschritten.


Zeit ist ein sehr relativer Begriff: 10 Jahre selbständig zu sein erscheinen lang, wenn man nur auf die eigenen Jahre zurückblickt. Sie sind jedoch nur eine Momentaufnahme vor dem Hintergrund einer mehrere Jahrtausende währenden Geschichte der Vermessung, in deren Anfang grundsätzliche Erkenntnisse über die Gestalt und Größe der Erde standen. Gehörten die zurückliegenden Jahrhunderte der geistigen Entwicklung der westlichen Gesellschaft, so sind die zurückliegenden Jahrzehnte geprägt von technischen Fortschritten. So wurden noch bis zum Ende der 1980ger Jahre Geraden mit 3 rot-weissen Fluchtstäben in die Landschaft übertragen und Winkel über Prismen und Glaskreise in einem Theodolit bestimmt. Heutzutage stecken die Koordinaten auf einem Chip in einem Servomotor gesteuerten elektrooptischen Tachymeter. Pläne und Karten wurden über Jahrhunderte mit Tusche auf Transparent oder Karton gezeichnet. Das Zauberwort unserer Zeit ist Computer Aided Design, kurz CAD, mit dessen Programmen Pläne im Computer gezeichnet werden. Durch das Internet ist ein weiteres Medium hinzugekommen, Informationen blitzschnell einzuholen oder auszutauschen. Das Büro der Zukunft ist damit 24 Stunden erreichbar.

Die neuen Möglichkeiten können begeistern und sind verführerisch. Sie führen aber auch wie so viele andere Dinge unserer Zeit ins Spezialistentum, denn die eingesetzten Messgeräte und Programme werden immer komplizierter. Sie erzeugen Datenberge, die vor ihrer Weiterverarbeitung zunächst von einem gut ausgebildeten Ingenieur auszuwerten sind. Es wird immer weniger einfache Arbeitsschritte für einfache Menschen auszuführen geben.

In absehbarer Zeit wird der Vermessungsberuf nicht an Bedeutung verlieren, denn bei immer kleiner werdenden Grundstücken rücken die Menschen immer näher zusammen und beeinträchtigen sich dadurch zwangsläufig in immer stärkerem Maße. Der nachbarschaftliche Frieden ist nur durch eine verlässliche, genaue, aktuelle Gegenüberstellung der örtlichen Gegebenheiten mit der geplanten baulichen Veränderung zu sichern.

Schon jetzt bin ich neugierig, wie sich der klassische Landvermesser in 10 Jahren vielleicht als Geoinformationsingenieur darstellen wird. Ich würde mir wünschen, dass er auch dann noch ein Grundstück wird betreten müssen, damit er den Sinn seiner Arbeit nicht aus den Augen verliert.

Bernd Mengelkamp

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